Adresse:
Kirchgasse 7
76855 Annweiler Karte
Baujahr: 1153/1952
Sitzplätze:
Orgel: 1954 Oberlinger / Windesheim
HISTORISCHES
In den Jahren 1151 bis 1153 wurde auf dem heutigen Platz von den Staufern eine romanische Kirche mit Vierungsturm und kleinem Dachreiter (siehe hierzu auch das Wappen von Annweiler) errichtet. Das Siegel der Stadt Annweiler, aus dem 13. Jahrhundert stammend, zeigt ein Doppelbild. Neben den zirnengekrönten Bergfried der Burg Trifels die Stadtkirche mit Vierungsturm und Dachreiter, Sinnbild für die Verbundenheit der Stadtkirche mit dem Herrschergeschlecht der Staufer.
Die Kirche wurde am 16. Februar 1153 durch den Speyerer Bischof Günther geweiht, zu Ehren des Heilands, der Mutter Gottes und der heiligen Fortunata.
Um 1330 wurde die Kirche um einen frühgotischen Chor, der bis zur Zerstörung durch Bomben im Jahr 1944 Bestand hatte, und einen markanten Nordostturm erweitert. Dieser Turm, der älteste Teil der Stadtkirche, steht noch heute. Am Ende des 15. Jahrhunderts wurde diese Kirche baufällig. 1481ersetzte man sie durch eine spätgotische dreischiffige Hallenkirche des Philipp von Gmünd (eingeweiht 1491), mit runden Binnenpfeilern und überhöhtem Mittelschiff. Um 1500 kam die Sakristei hinzu, der Chor hatte eine besonders sorgfältige Gestaltung erfahren.
Seit 1523, mit der Einführung der Reformation im hiesigen Raum, diente die Kirche als protestantisches Gotteshaus; unter Ludwig XIV. musste den Katholiken um 1680 das Mitnutzungsrecht eingeräumt werden. So war die Stadtkirche bis 1868, als die jetzige katholische St.Josephskirche eingeweiht wurde, Simultankirche.
In der Renaissance wurde die Kirche um zwei Joche nach Westen erweitert. Um 1730 erhielt der Turm sein oberstes Geschoss und die eindrucksvolle Turmhaube. 1758 stürzte das Dach ein, und 1785 musste die Kirche wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Am 19. Oktober 1788 wurde die barocke Kirche des Friedrich Gerhard Wahl eingeweiht. Die protestantische Kirche in Hornbach (1786 vom selben Architekten erbaut) diente als Vorbild für Annweiler. Ein querrechtseckiger Grundriss umschloss einen schlichten Saalbau, die Südseite war Schauseite mit zwei Portalen.
Während der Besetzung der Pfalz zur Zeit der Französischen Revolution richtete man 1794 in der Stadtkirche eine Kommissbäckerei mit 8 Öfen ein. 1804 wurde die Kirche wieder hergestellt und ihrer eigentlichen Bestimmung übergeben.; sie erhielt jetzt eine Stumm-Orgel.
Die Kirche wurde in den Jahren 1928/29 restauriert. Am 29. Dezember 1944 wurde die Kirche durch den britischen Luftangriff bis auf den Turm und die Nordwand des Kirchenschiffs völlig zerstört. Von 1950 bis 1953 wurde die Kirche im modernen Stil durch Otto Seibel wiederaufgebaut. Die Einweihung der Stadtkirche in der heutigen Gestalt war am 30. März 1952. Im Herbst des gleichen Jahres erhielt der Turm fünf neue Glocken.
Neben dem Turm aus dem Jahr 1318 sind im Innern der Kirche die bunten Chorfenster von 1952 (gestaltet durch den Glasmaler Erhardt Klonk, Marburg) mit Szenen aus dem Leben Jesu Christi und dem Alten (Schöpfungsgeschichte) und Neuen Testament (Offenbarung des Johannes) sehenswert. Die beiden äußeren Fenster zeigen die Wappenzeichen, die Bourbonenlilie des franz. Königshauses und erinnern an die Zeit der Hugenotten-Zuwanderungen und Ansiedlungen in Annweiler (Tuchmacher und Gerber).
1954 wurde eine Oberlinger-Orgel mit 25 Registern aufgestellt. In den 90er Jahren wurde das Westportal grundlegend neu gestaltet.
Text entnommen aus: "Prot. Kirchen zwischen Hofstätten und Freimersheim, Rhodt und Herxheim" herausgegeben vom Prot. Kirchenbezirk Landau, Ev. Presseverlag Pfalz 2001